12 kurdische Guerillas vom türkischen Militär getötet
Hunderttausende beteiligen sich an Protest- und Widerstandsaktionen

Bei einem Angriff des türkischen Militärs wurden zwischen dem 12. und 14. Mai 2011 12 kurdische Guerillas in Defensivposition in der Region (Qilaban) Uludere getötet. Die kurdische Bevölkerung reagierte auf diese Nachricht mit vielfältigen Protest- und Widerstandsaktionen, an denen sich Hunderttausende beteiligten. Ein Großteil der Geschäfte in Amed (Diyarbakır), Agirî (Ağrı), Wan (Van), Colemêrg (Hakkari), Geva (Yüksekova), Mûş, Sêrt (Siirt), Kelê (Malazgırt), Misirc (Kurtalan), Mêrdîn (Mardin), Êlîh (Batman) und anderen Städten blieben aus Protest geschlossen, Schüler_innen boykottierten den Unterricht. Da das Militär die Leichen gefallener Guerillas systematisch schändet und verstümmelt – erst vor zwei Wochen wieder in Dêrsim geschehen – entschlossen sich mehrere tausend Menschen selbst ins Operationsgebiet vorzudringen, um die Körper der Gefallenen zu bergen. Das Militär und die Polizei reagierten von Qilaban (Uludere) bis Istanbul auf die Aktionen der Bevölkerung mit Repression und eröffneten mehrfach das Feuer, u.a. beschossen Soldaten ein Gymnasium, nachdem die Schüler_innen Parolen gerufen hatten– mindestens 153 Menschen wurden in den letzten 24 Stunden festgenommen.

Aufgrund der Breite der Proteste in fast allen kurdischen Städten, können hier nur einige Ereignisse hervorgehoben werden.

AMED – 80% DER GESCHÄFTE GESCHLOSSEN – SCHULEN BOYKOTTIERT– MASSENHAFTER SITZSTREIK – STRASSENKÄMPFE

In Amed (Diyarbakır) wurden ab dem 16. Mai 2011 aufgrund der ausgerufenen Trauer mindestens 80% der Geschäfte geschlossen und die Schulen wurden boykottiert. Dies soll für drei Tage so bleiben.

Aus Protest gegen die Militäroperationen wurde eine Großdemonstration und ein Sitzstreik durchgeführt, an denen Zehntausende, darunter auch mehrere Abgeordnete der linken, prokurdischen Friedens und Demokratiepartei BDP bzw. deren Kandidaten und Kandidat_innen teilnahmen. Es wurden Fahnen des demokratischen Konföderalismus, der PKK und ihres Vorsitzenden gezeigt.

Der Sitzstreik wurde schließlich von der Polizei angegriffen. Viele Leute erlitten gesundheitliche Probleme aufgrund des massiven Tränengaseinsatzes. Die Jugendlichen erwiderten den Angriff mit Steinwürfen. Neben dem massiven Tränengas wurden mindestens 20 Personen verhaftet, die in der Antiterrorabteilung der Polizei von Amed (Diyarbakır) festgehalten werden.

PROVINZ AMED – STREIKS, DEMONSTRATIONEN, STRASSENKÄMPFE – POLIZEI SETZT SCHARFE MUNITION EIN

Auch in vielen Kreisstädten der Provinz Amed kam es zu Protestaktionen und Streiks bzw. Schulboykott, wie auch zu Polizeiangriffen, teilweise wurden auch scharfe Waffen eingesetzt. Entsprechende Proteste fanden unter anderem in Farqîn (Silvan), Ergani, Bismil, Pîran (Lice), Hasro und Çınar statt. Überall waren die Kreisbüros der BDP schwarz beflaggt.

In Farqîn (Silvan) griff die Polizei unter dem bei Faschisten gebräuchlichen osmanischen Mehter Militärmärschen eine Protestdemonstration an. Vor allem Jugendliche, die zuvor Barrikaden errichtet hatten, reagierten auf die Polizeiangriffe mit Steinwürfen. Währenddessen fuhr die Polizei ebenfalls unter diesen Märschen durch die Stadtviertel und bedrohte die Einwohnerinnen und Einwohner mit Lautsprecherdurchsagen folgendermaßen: „Übernehmt Verantwortung für eure Kinder, dies ist die letzte Warnung.“

Auch in Çınar setzte die Polizei bei einem Angriff auf eine Demonstration neben Gasgranaten und Wasserwerfern auch scharfe Munition ein. Glücklicherweise gab es keine Toten und Verletzten.

REGION ŞIRNEX – DAS LEBEN STEHT STILL – ZEHNTAUSENDE PROTESTIEREN – TAUSENDE ÜBERSCHREITEN GRENZE UM LEICHEN ZU BERGEN – MILITÄR UND POLIZEI SCHIESSEN SCHARF

In der Region Şırnex (Şırnak), in deren unmittelbarer Nähe bei der Kreisstadt Qilaban(Uludere) die 12 Guerillas vom türkischen Militär getötet worden waren, und allen ihren Kreisstädten kam das öffentliche Leben zum erliegen. In vielen Städten, unter anderem auch der Provinzhauptstadt Şırnex wurde eine dreitägige Trauerzeit erklärt.

QILABAN/ULUDERE: TAUSENDE ÜBERSCHREITEN UND BERGEN KÖRPER GEFALLENER GUERILLAS – SOLDATEN GREIFEN MIT SCHARFEN WAFFEN UND TRÄNENGASGRANATEN AN – VERLASSEN UND BETRETEN DER REGION VOM MILITÄR UNTERSAGT WORDEN

Am 15. Mai 11 überschritten nahe der Kreisstadt Qilaban (Uludere) an zwei Stellen Tausende die Grenze zum den Irak/Südkurdistan um die Körper der gefallenen Guerillas zu bergen. Etwa 2000 Menschen verbrachten trotz der Kälte die Nacht auf den Bergen. Mit den ersten Lichtstrahlen des 16.05. begaben sich die Teilnehmer_innen, unter denen Jugendliche, Alte, Männer, Frauen und auch Abgeordnete der BDP und z.B. der Bürgermeister der kurdischen Großstadt Amed (Diyarbakır) zu finden waren auf die weitere Suche. Die Soldaten versuchten sie zu stoppen und erklärten, dass sie Dorfschützer schicken würden, um die Körper zu bergen. Die Menschenmenge reagierte darauf mit Entrüstung: „Ist nicht wahr, dass ihr uns die Leichen nur mit abgeschnittenen Ohren übergeben werdet.“ Dabei wiesen Sie auf eine Praxis des türkischen Militärs hin, Leichen gefallener Guerillas systematisch zu verstümmeln, wie dies erst zwei Wochen zuvor bei 7 in der Region Dêrsim gefallenen Guerillas geschehen war. Mindestens 200 Leute nahmen die Lebensgefahr in Kauf, und stiegen zu den Körpern der Gefallenen ins Kampfgebiet ab. Von den Militärstützpunkten an der Grenze und von den Gipfeln aus wurden mehrere hundert Schuss abgegeben, Hubschrauber wurden eingesetzt und Gasgranaten abgeschossen. Als sie die Körper der Gefallenen fast erreicht hatten, wurden sie von Soldaten, die aus Hubschraubern abgesetzt worden waren, mit Steinen angegriffen und heftig beleidigt. Trotz alledem setzte die Menschenmenge ihren Weg fort. Schließlich trafen sie auf Spezialeinheiten, die erneut mit Steinen angriffen.

Trotz der Angriffe konnte die Menschenmenge drei Leichen bergen. Die Leichen der Gefallenen wurden auf drei Tragen, mit Blättern und Ästen eingewickelt auf den Schultern transportiert. Nach kurzem Weg wurde der Zug von Dorfschützern und Soldaten angegriffen. Sie warfen von oben Steine und brachten die im Tal vorbeiziehenden, durch große Gesteinsbrocken, welche sie den Berg herunterrollten, in Lebensgefahr.

Am Grenzstützpunkt, an dem Tausende auf die Toten warteten, stoppten Soldaten den Zug und erklärten, es gäbe eine Autopsieanordnung, und sie müssten deswegen die Körper beschlagnahmen. Um dies durchzusetzten gaben sie minutenlang Schüsse in die Luft ab. Nachdem sie die Körper beschlagnahmt hatten, weigerte sich die Menschenmenge zu gehen, bevor sie diese nicht zurückerhielten. Es wurden massiv Gasgranaten eingesetzt. Die Menge antwortete mit Steinwürfen. Auch alte Frauen erwiderten die Angriffe von Soldaten und Polizei mit Ästen und anderen Gegenständen. Die Anwesenden erklärten trotz der heftigen Angriffe den Ort nicht zu verlassen.

Währenddessen verbot der Gouverneur das Verlassen und Betreten des Landkreises Qilaban (Uludere). An der Grenze warteten mindestens 500 Vertreter_innen zivilgesellschaftlicher Organisationen und begannen ebenfalls einen Sitzstreik um eingelassen zu werden. Die Protestaktionen wurden bis zur Herausgabe der Leichname fortgesetzt.

Zusammenfassung aus DIHA und ANF, 17.05.2011, ISKU
Fortsetzung: 12 kurdische Guerillas vom türkischen Militär getötet – Hunderttausende beteiligen sich an Protest- und Widerstandsaktionen

Am 16.05.11 wurde der Leichnam des in Qilaban (Uludere) gefallenen Guerillakämpfers Abdulkadir Ay (Kahraman Rodi) von mehr als 50.000 Menschen unter Fahnen von PKK, KCK und Abdullah Öcalan auf seiner Reise nach Amed (Diyarbakır) empfangen. Nach seiner Weiterreise formierten die Anwesenden einen Demonstrationszug aus dem immer wieder „Die PKK ist das Volk und das Volk ist hier!“ skandiert wurde. Dieser Zug wurde von der Polizei heftig mit Gasgranaten angegriffen. Nach der Demonstration kam es zu Straßenschlachten zwischen Jugendlichen, die Molotowcocktails, Feuerwerkskörper und Steine einsetzten und der Polizei die Wasserwerfer und Tränengas benutzte. Die Straßenkämpfe dauerten bis in die tiefe Nacht an.
Das Garnisonskommando des türkischen von Cizîr (Cizire) wurde am 16.05. mit einer Bombe angegriffen. Es entstand große Panik unter den Soldaten. Die laute Detonation führte zu Sachschäden an Militärgebäuden, Menschen kamen nicht zu Schaden.
Schon zuvor am Tag war es in Cizîr (Cizire) zu heftiger staatlichen Gewaltübergriffen gekommen, als u.a. eine bestreikte Schule, aus der Jugendliche Parolen wie „Biji Serok Apo!“ skandierten mit Salven scharfer Munition beschossen wurde, dabei etliche Fenster zerstört wurden und die Projektile ins Mauerwerk einschlugen. Durch die zerstörten Fenster feuerten die Soldaten Gasgranaten. Nur durch Glück gab es keine Tote und auch keine durch Schüsse Verletzten. Allerdings erlitten viele Schüler_innen gesundheitliche Probleme aufgrund des Tränengaseinsatzes. Die Schüler_innen antworteten auf die Schüsse mit weiteren politischen Protestparolen.
Weiterhin wurde von der Polizei eine 70-Jährige, die ihren 13-jährigen Enkel vor Misshandlung und Festnahme schützen wollte mit dem Gewehrkolben zusammengeschlagen. Sie befindet sich im Moment im Krankenhaus. Sie berichtete selbst:
„Ich saß vor meiner Wohnung. Auf einmal sah ich, dass die Polizei meinen Enkel festnehmen will. Ich ging sofort dazwischen. In dieser Situation schlugen sie mir mit dem Gewehrkolben auf den Kopf. Plötzlich lag ich in meinem Blut auf dem Boden. Obwohl ich verletzt war schleiften sie mich über den Boden und entrissen mir meinen Enkel und nahmen ihn fest.“
Weiterhin wurde eine im 6 Monat schwangere Frau eine Tränengasgranate ins Gesicht geschossen und musste verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden, ein Nasenbeinbruch konnte diagnostiziert werden. Ein 95-Jähriger wurde ebenfalls verletzt, als eine Gasgranate in seine Wohnung geschossen wurde.

REGION WAN (VAN) – POLIZEI SCHIESST GEZIELT SCHARF AUF EHEM. BDP BÜRGERMEISTER UND AMTIERENDEN BÜRGERMEISTER
In vielen Städten der Provinz Wan, Başkale, Ergani, Bostanıçı und anderen Orten kam es zu Protestaktionen und Demonstrationen und teilweise heftigen Straßenkämpfen. Insbesondere in der Kreisstadt Başkale, die nahe der iranischen Grenze liegt und von der BDP regiert wird, kam es zu besonders heftigen Polizeiübergriffen.
Die Polizei setzte gegen die Demonstrant_innen am 16.05. in der Kreisstadt Başkale mehrfach scharfe Munition ein. Während dieses Angriffs nahmen die Polizisten den ehemaligen BDP.Bürgermeister Ihsan Güler, dessen Mandat vom Innenministerium ihm Rahmen eines KCK-Verfahrens entzogen worden war und den amtierenden BDP Bürgermeister Hecer Saruhan ins Visier und feuerten gezielt. Sie konnten sich gerade noch in Deckung begeben.

REGION COLEMÊRG (HAKKARI) – ZEHNTAUSENDE AUF DEMONSTRATIONEN – POLIZEIANGRIFFE – FESTNAHMEOPERATIONEN
In der ganzen Region Colemêrg zu der u.a. die Kreisstädte Colemerg (Hakkari), Gever (Yüksekova), Şemzinan (Şemdinli), Çele (Çukurca) gehören, wurde ebenfalls eine dreitägige Trauerzeit ausgerufen. Die Schüler_innen nahmen nicht am Unterricht teil, die Läden blieben geschlossen. In Colemêrg und Gever fanden Demonstrationen statt, an denen sich zwischen 20.000 und 50.000 Menschen beteiligten. Auch in Çele und Şemzinan kam es zu Straßenschlachten.

COLEMÊRG – GROSSDEMONSTRATIONEN – 30.000 AUF GUERILLABEERDIGUNG – STRASSENKÄMPFE – JOURNALISTEN BEDROHT
Die Proteste in der Kleinstadt Colemêrg (Hakkari) begannen am 16.05mit einem Sitzstreik, an dem sich mehrere tausend Menschen beteiligten. Eine Demonstration durch die Innenstadt trug Bilder der gefallenen Guerillakämpfer durch die Stadt und rief Parolen wie „Mörder Erdoğan!“
Der stellvertretende BDP-Kreisvorsitzende von Colemêrg, Orhan Koparan, erklärte in einer Rede, dass aufgrund der permanenten Angriffe und Repression die Geduld der kurdischen Bevölkerung ihr Ende erreicht habe: „Wir erwarten die Lösung nicht von den Herrschenden, wir werden sie mir unserer eigenen Kraft und unserer Entschlossenheit selbst schaffen. Die Geduld unseres Volkes hat mit den Toten bei der Militäroperation in Qilaban (Uludere) ihr Ende erreicht. Es hätte keinen Sinn mehr, nach diesen Toten Frieden zu fordern. Entweder es gibt eine demokratische Lösung oder absoluten Widerstand.“
An der Beerdigung des aus Colemêrg stammenden Guerilla Adem Aşkan (Canşêr Çempîrî) nahmen mehr als 30.000 Menschen teil. Auf der Beerdigung erklärte der BDP-Kandidat Adil Kurt:
„Ich verspreche euch, in dieser Phase nach diesem Massaker werde ich das Wort Frieden nicht mehr benutzen. In einer Phase, in der kein Schritt für den Frieden getan wird, werde ich das Wort Frieden nicht mehr benutzen. Ale unsere Friedensforderungen werden mit Massakern beantwortet.“
Unter anderem wurden Transparente wie „Mörder Erdoğan – wir sind die vermummten Terroristen,“ welches von alten Frauen getragen wurde. Die Demonstration wurde von hunderten vermummten Jugendlichen begleitet, die diese als „Selbstverteidigungskräfte“ schützten.
Nach der Beerdigung breiteten sich die Proteste auf die verschiedensten Stadtteile von Colemêrg aus und es kam zu heftigen Straßenschlachten in den meisten Stadtvierteln der Kleinstadt. Die Polizei griff die Jugendlichen mit Tränengas und Wasserwerfern an, die Jugendlichen antworteten mit Steinen, Feuerwerk und Molotowcocktails. Militär eröffnete auch aus mit deutscher Lizenz produzierten G-3 Gewehren das Feuer in die Luft. Mindestens 6 Personen wurden verletzt.

Am 18. Mai fand schließlich eine Demonstration gegen Polizeigewalt in Colemêrg statt, nachdem schon in der Nacht zum 16.05. bei zeitgleichen Razzien mehr als 53 Personen von Antiterroreinheiten festgenommen worden waren. Der BDP-Vertreter Sinan Kaya erklärte in einer Rede:
„Die AKP-Regierung und ihre Polizei übte wie in ganz Kurdistan in Hakkari eine rücksichtslose Praxis aus, hier kennt der Polizeiterror keine Grenze … Die Stadtviertel werden von der Polizei der AKP abgeriegelt, die Fenster und Türen der Häuser eingeschlagen, von unseren Müttern bis zu jungen Frauen sind alle Beleidigungen, Angriffen und Beschimpfungen ausgesetzt. Unter Festgenommenen sind Menschen zwischen 7 und 70 und alle wurden in der Haft geschlagen … Es wird ein Spezialplan in Hakkari durchgeführt. Aufgrund dieser Praxen ist die Geduld unserer Bevölkerung am Ende.“
Wie in der Region permanent Praxis ist, wurden im Anschluss an diese Kundgebung Journalist_innen wieder massiv von Polizei und Militär belästigt und bedroht. Ein Polizist zerstörte die Kamera eines Journalisten mit einem Fußtritt.

GEVER (YÜKSEKOVA) – 30.000 AUF DEMONSTRATION – SEIT DREI TAGEN ANDAUERNDE STRASSEKÄMPFE – POLIZEI BENUTZT SCHARFE WAFFEN
An einer Protestdemonstration am 16.05. in der Stadt Gever beteiligten sich etwa 30.000 Menschen. Sie trugen neben Fahnen der PKK und des Konföderalismus eine 190m lange schwarze Fahne.
Nach Polizeiangriffen finden seit drei Tage heftige Straßenkämpfe in Gever statt. Die Polizei setzte mehrfach scharfe Waffen ein. Unter anderem wurde einem Passanten (Dorfschützer) von der Polizei in den Rücken geschossen. Spezialeinheiten setzen massiv Tränengas ein und feuerten scharfe Schüsse in die Luft ab. Wasserwerfer und Panzer werden nahezu pausenlos benutzt.

ŞEMZINAN – DEMONSTRATION – STRASSENKÄMPFE – FASCHISTISCHE PARAMILITÄRS LEGEN BOMBE BEI BDP AKTIVISTEN
In Şemzinan (Şemdinli) kam es zu einem Bombenanschlag durch faschistische Paramilitärs, die in der Regel enge Verbindungen zum Staatsapparat haben, auf das Wohnhaus des BDP-Kreisvorsitzenden Kadri Özcaner. Wenige Tage zuvor war in Rubarok (Derecik) nahe Şemzinan das BDP-Kreisbüro von ebensolchen Paramilitärs bewaffnet angegriffen und in Brand gesetzt worden.
Jugendliche errichteten am 17.05. in Şemzinan, einer Kleinstadt mit etwa 12.000 Einwohner_innen Barrikaden. Als die Polizei diese Angriff, kam es zu Auseinandersetzungen, bei denen u.a. ein 9-jähriger Junge verletzt wurde. Die Jugendlichen reagierten auf den Polizeiangriff mit Molotowcocktails, Steinen und Feuerwerkskörpern.

Zusammenfassung aus ANF und DIHA, 18.05.2011, ISKU

Unsere Geduld ist nicht unendlich
Friedensvertrag oder Volkskrieg!

Das kurdische Volk und seine Befreiungsbewegung sowie ihr führender Repräsentant Abdullah Öcalan werden sich durch die schmutzige Politik der AKP-Regierung nicht provozieren lassen und weiter für eine demokratische und friedliche Lösung der kurdischen Frage eintreten. Aber die Geduld des kurdischen Volkes ist nicht unendlich. Abdullah Öcalan hat vergangene Woche die Alternativen klar benannt: Entweder wird es bis Mitte Juni einen Friedensvertrag unter Anerkennung der demokratischen Rechte des kurdischen Volkes geben oder es droht ein großer Volkskrieg. Die Verantwortung liegt allein bei der AKP.

Wir protestieren auch gegen die Politik der USA und EU, die mit ihren Aussagen und Taten die AKP-Regierung unterstützen und ermutigen. Die Waffenlieferungen an die türkische Armee müssen ebenso eingestellt werden, wie die polizeiliche Verfolgung politisch aktiver Kurdinnen und Kurden in Europa. Dies ist eine Grundvoraussetzung, um eine Friedenslösung in Kurdistan nicht weiter zu sabotieren.

Als Föderation der kurdischen Vereine in Deutschland Yek-Kom rufen wir alle demokratischen Kräfte dazu auf, mit uns gemeinsam gegen die kolonialfaschistische Politik der türkischen AKP-Regierung und gegen die Unterstützung dieses schmutzigen Krieges durch die deutsche Bundesregierung zu protestieren.

YEK-KOM, 16. Mai 2011

Rüstungsexporte weltweit stoppen

Die TATORT Kurdistan Kampagne möchte mit ihrem 2. bundesweiten Aktionstag am 1. September ein Zeichen gegen Rüstungsexporte und die damit einhergehenden Menschenrechtsverletzungen setzen. Die weltweit führenden Rüstungskonzerne konnten laut Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) ihren Umsatz 2009 um weitere 8% auf 296 Mrd Euro steigern. In den vergangenen fünf Jahren haben deutsche Firmen ihre Rüstungsexporte fast verdoppelt, die Türkei ist dabei mit 15,2 % weiterhin der wichtigster Abnehmer für die BRD. Deutsche Konzerne
profitieren vom Boom im Rüstungsbereich: Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann (KMW), ThyssenKrupp, Diehl, MTU oder Heckler & Koch. Die Bundesregierung schreckt nicht davor zurück, Waffenexporte an Staaten zu genehmigen, in denen interne Gewaltkonflikte herrschen und Menschenrechte systematisch durch die Staatspolitik verletzt werden. Die Türkei ist dabei nur ein Beispiel von vielen.

Beim Aktionstag soll dargestellt werden, wie und wo deutsche Waffen bei der Verletzung von Menschenrechten, bei Kriegsverbrechen und bei der
Zerstörung von Landschaften in Kurdistan eingesetzt werden. Dabei ist zu erwähnen, dass die Zahl der politischen Inhaftierten in Kurdistan und der Türkei seit Ende der 90er Jahre ihren höchsten Stand erreicht hat.
Ende 2010 wurde der Einsatz von chemischen Waffen durch das türkische Militär gegen kurdische Guerillas auch in den deutschen Medien und im Bundestag thematisiert. Das systematische Abbrennen von Wäldern in Kurdistan nimmt weiter zu.

Die BRD und ihre Vorgängerstaaten sind seit mehr als hundert Jahren einer der wichtigsten Unterstützer des türkischen bzw. osmanischen Staates bei der Repression und Vernichtung von Oppositionellen. So wird nach wie vor einer der dunkelsten Kapiteln, nämlich die deutsche Beteiligung und Verantwortung am Genozid an bis zu 1,5 Mio. ArmenerInnen im Jahre 1915 thematisiert. Banken, Waffenindustrie, Armee und Politiker aus Deutschland waren damals im Weltkrieg die wichtigsten Unterstützer des Osmanischen Staates. Ohne ihr Mitwissen und Unterstützung wäre dieses Verbrechen gegen die Menschheit in diesem Umfang nicht zu verwirklichen gewesen. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich diese unrühmliche Zusammenarbeit immer mehr gegen die für ihre Freiheit kämpfenden KurdInnen gerichtet; in diesem Rahmen werden auch die politisch aktiven KurdInnen in der BRD kriminalisiert. Bundeskanzlerin Merkel der Türkei versprach erst im Frühjahr 2010 die Lieferung von 56 Leopard II Panzern. Es steht ausser Zweifel, dass diese auch gegen die Zivilbevölkerung in Kurdistan eingesetzt werden.

Wir möchten darüber hinaus auch einen Bezug zu den aktuellen Aufständen breiter Massen in den mehrheitlich arabischen Staaten herstellen.
Hierbei möchten wir darauf aufmerksam machen, dass in Irakisch-Kurdistan ebenfalls täglich gegen die feudal-korrupte Regionalregierung der beiden herrschenden Parteien KDP und PUK protestiert wird. Deutsche Unternehmer kommen mit ihnen seit kurzem wieder gut ins Geschäft. So werden Treffen in der BRD organisiert, um die Investitionen deutscher Unternehmen in Irakisch-Kurdistan voranzutreiben. Dies wird aktiv von der deutschen Regierung, auch mit Besuchen Irakisch-Kurdistans, unterstützt. Die deutsche Presse verschweigt den Aspekt der Proteste… (Quelle Tatort Kurdistan Kampagne)

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