Wird am 19 September 2010 16 Uhr und 20.30 Uhr im kommunalen Kino „Pumpe“ Kiel gezeigt


MIN DÎT – die Kinder von Diyarbakir

Ein Film von MIRAZ BEZAR

-“Ein kurdischsprachiger Film, der ein Thema behandelt, das bislang tabuisiert wurde.“
(Hamburger Abendblatt)

Die Stadt Der Film entstand komplett in Diyarbakir, wo er auch spielt. Seit den Tagen des Bürgerkriegs in den 90er Jahren ist die Stadt von 300.000 Einwohnern auf 1,5 Millionen angewachsen. Die unablässige Zuwanderung von Bürgerkriegsflüchtlingen hat die historische Kleinstadt in eine Metropole verwandelt.
Ich bin Ende 2005 von Berlin nach Diyarbakir gezogen, um dort einen Film zu drehen. Ich kam ohne eine vorgefaßte Geschichte dort an. Ich brauchte diese Unvoreingenommenheit, um mich auf die Stadt einzulassen. Denn sie entsprach überhaupt nicht dem Bild, das ich mir vorher von ihr gemacht hatte. Nicht etwa der Ausnahmezustand bestimmt das Straßenbild in Diyarbakir. Es ist eine Stadt, in der sich die Menschen einen Alltag geschaffen haben, der ihre Narben und Traumata außen vor lässt. Für viele von ihnen ist es scheinbar zur Normalität geworden, mit den Folgen politischer Gewalt zu leben.
Als indirekte Folgen des kriegsartigen Zustandes grassieren Drogenkonsum und Prostitution. Der Krieg hat die Menschen, wie die Protagonisten in meinem Film, ein für alle Mal aus ihrem vorherigen Leben herausgerissen. Aber er hat ihnen auch ihre Zukunft geraubt. Die Menschen erleben ihre Gegenwart als ein auswegloses Chaos ohne Chance auf Entwicklung. Dies gilt insbesondere für die Kinder. Dabei überrascht und fasziniert immer wieder der Wille, dieses Chaos aus eigener Kraft heraus umzugestalten.
Viele Familien bemühen sich nach Kräften, ihren Kindern eine Perspektive jenseits des grausamen Alltags zu bieten. Doch andere Familien sind psychisch so stark zerrüttet, dass sich quasi jeder zuerst um sich selbst kümmern muss. Mit Gewalt und Armut wächst auch der Individualismus. Die traditionellen sozialen Netze reißen. An ihre Stelle treten neue, dynamische, aber auch sehr ambivalente Organisationsformen, wie ich sie in meinem Film versucht habe darzustellen.

Die Geschichte
Nach wenigen Monaten Recherche wurde mir klar, dass es in dem Film um die Opfer staatlicher Morde in den Neunzigern gehen sollte. Ich begann, nach persönlichen Geschichten zu recherchieren, und machte gemeinsam mit meiner Co-Autorin Evrim Alataş einen Termin beim Menschenrechtsverein IHD. Dort wurde mir eine zwanzigjährige Frau vorgestellt, die ich zu meiner Überraschung bereits kannte. Zwei Tage zuvor hatte ich sie zufällig mit einer Gruppe anderer Jugendlicher in einem Straßencafé kennen gelernt. Über sich selbst hatte sie kaum gesprochen. Jetzt erzählte sie mir ihre bewegende Lebensgeschichte, aus der dann später die Hauptidee des Filmes entstand. Zweifelsohne ist die Zahl der politischen Gewaltakte im Vergleich zu den 90er Jahren stark zurückgegangen. Das heißt aber nicht, dass eine solche dunkle Zeit nicht wiederkehren könnte. Solange das Geschehene nicht gesellschaftlich aufgearbeitet wird, kann die Gewalt jederzeit wieder eskalieren. Hätte diese Auseinandersetzung bereits stattgefunden, so hätte ich den Film für jeden erkennbar in den 90ern angesiedelt. So aber wollte ich den Zeitrahmen der Handlung unbestimmt lassen, damit die Geschichte ihre Allgemeingültigkeit behält. Film und Fiktion Alles, was ich in dem Film erzähle, hat in der ein oder anderen Form in Diyarbakir stattgefunden. Speziell der Überlebenskampf zweier Kinder, die ihre kleine Schwester verlieren, weil sie ganz ohne Unterstützung von Erwachsenen für sich selbst sorgen müssen, basiert auf wahren Begebenheiten. Alles, was Sie in dem Film sehen können, können Sie auch auf einem Spaziergang durch die Stadt sehen. Sie sehen im Film allerdings nur Bruchstücke der Realität, die sich im Wahren Leben viel härter gestaltet.


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Anstelle epischer Fiktion wollte ich eine Collage dieser Splitter wirklichen Lebens montieren. Ich wollte eine Vielzahl von Themen ansprechen, ohne dabei allerdings einen Kompilationsfilm zu produzieren. Mir war es wichtig, eine Geschichte zu finden, die exemplarisch für alle stehen konnte.

Veranstaltung im Rahmen der Interkulturelle Wochen vom 23. September – 10. Oktober 2010:

Die Situation von Flüchtlingskindern in Sirnak
Freitag, 8.10.2010, 18.00 Uhr

Ort: Deutsch-Kurdische Gesellschaft
Boninstraße 50, 24114 Kiel
Der Verein Flüchtlingskinder aus Sirnak e. V. stellt sich vor und berichtet über seine Arbeit und die Situation vor Ort.
Eintritt frei

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